Pressemitteilung
„Medizinische Hilfe ist möglich – sie wird politisch blockiert“
Fachtagung in Marburg fordert sofortige Evakuierung verletzter Kinder aus Gaza – auch nach Deutschland
Auf der Fachtagung „Re-Move Kids“ in Marburg haben Medizinerinnen, Wissenschaftlerinnen, humanitäre Organisationen sowie Vertreter*innen aus Politik und Zivilgesellschaft eindringlich auf die dramatische Versorgungssituation schwer verletzter Kinder in Gaza hingewiesen – und klare politische Konsequenzen gefordert.
Zentrales Ergebnis der Tagung ist eine eindeutige Diagnose: Die unzureichende medizinische Versorgung vieler Kinder ist nicht allein Folge zerstörter Infrastruktur, sondern Ergebnis politischer Blockaden.
Behandlung vorhanden – Zugang verwehrt
Fachbeiträge aus der medizinischen Praxis machten deutlich, dass zahlreiche Kinder Behandlungen benötigen, die vor Ort nicht mehr durchgeführt werden können. Gleichzeitig existieren entsprechende medizinische Kapazitäten – sowohl in der Region als auch international. Dennoch bleibt der Zugang für viele Patient*innen versperrt.
Der Gefäßchirurg Dr. Ahmad Abu Nada, tätig in Gaza, schilderte die Folgen eindringlich:
„Patient*innen warten auf Evakuierungsmöglichkeiten – und sterben in dieser Zeit.“
Auch internationale Perspektiven bestätigen diese Einschätzung. Die Vertreterin von Physicians for Human Rights Israel, Mays Medleg, berichtete von einem fünf Monate alten Baby, dessen behandelbare Erkrankung nicht therapiert werden konnte, obwohl geeignete medizinische Einrichtungen in unmittelbarer Nähe verfügbar gewesen wären:
“She could have been saved. Her treatment was available. But the restrictions that were imposed denied her that life-saving treatment.”
Kritik an Blockaden – vor Ort und in Deutschland
Die Tagung macht deutlich, dass die Blockade medizinischer Versorgung auf zwei Ebenen wirkt: Einerseits wird die Ausreise schwer verletzter Kinder aus Gaza durch Einschränkungen und Restriktionen vor Ort verhindert. Andererseits werden vorhandene Behandlungsmöglichkeiten in aufnahmebereiten Ländern wie Deutschland nicht genutzt.
Besonders kritisch wurde die Situation in Deutschland bewertet: Obwohl zahlreiche Kliniken ihre Bereitschaft zur Aufnahme signalisiert haben, kommt es bislang kaum zu medizinischen Evakuierungen.
Dabei wurde hervorgehoben, dass viele dieser Behandlungen kostenfrei angeboten werden und auch weitere anfallende Kosten – etwa für Transport, Betreuung oder psychosoziale Unterstützung – durch zivilgesellschaftliche Akteure getragen werden können. Finanzielle Gründe stehen einer Aufnahme somit nicht entgegen.
Als zentrales Hindernis wurden politische Vorgaben benannt, insbesondere die fehlende Möglichkeit, Begleitpersonen mitzunehmen. Die Ärztin Dr. Nacera Belala stellte dazu eine grundlegende Frage:
„Wer würde sein schwer verletztes, traumatisiertes Kind in ein fremdes Land schicken – ohne zu wissen, wie lange es dort bleibt?“
Medizin und Kommunen bereit – politische Umsetzung fehlt
Auch aus Deutschland selbst wurde die Bereitschaft zur Aufnahme deutlich signalisiert. Der Marburger Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies erklärte:
„Wir haben Platz. Wir haben die notwendige Expertise und vor allen Dingen, wir sind bereit, Verantwortung zu übernehmen.“
Die Abschlusserklärung der Tagung kommt daher zu einem klaren Ergebnis: Es fehlt nicht an medizinischen Möglichkeiten, nicht an Expertise und nicht an Finanzierung – sondern an politischem Handeln.
Forderung: Evakuierungen jetzt ermöglichen
Die Teilnehmenden der Tagung fordern die Bundesregierung auf, unverzüglich zu handeln und medizinische Evakuierungen schwer verletzter Kinder zu ermöglichen. Dazu gehören insbesondere:
- beschleunigte und unbürokratische Einreiseverfahren
- die verbindliche Ermöglichung der Mitreise von Angehörigen
- die Nutzung vorhandener Behandlungskapazitäten in deutschen Kliniken
Aus medizinischer und psychosozialer Sicht ist eine Behandlung ohne familiäre Begleitung nicht vertretbar.
„Jedes weitere Zögern kostet Leben“
Die Abschlusserklärung der Tagung stellt unmissverständlich fest: Wenn lebensrettende Behandlung möglich ist, aber durch politische Entscheidungen nicht erfolgt, handelt es sich nicht um ein logistisches Problem, sondern um eine Form der unterlassenen Hilfeleistung.
Die Teilnehmenden appellieren an die politischen Entscheidungsträger*innen in Deutschland und Europa, die bestehenden Blockaden aufzulösen und den Zugang zu medizinischer Versorgung endlich zu ermöglichen. Jedes weitere Zögern verschlechtert die Situation der betroffenen Kinder – und kostet Leben.
Weitere Informationen zur Veranstaltung sowie zur Anmeldung finden Sie unter:
https://www.re-move-kids.de
Pressekontakt: Aladin Atalla · info@re-move-kids.de · https://www.re-move-kids.de